Herr Bauer, Sie gelten als jemand, der die Bestattungsbranche ordentlich aufmischt. Warum?
Weil sie es nötig hat. Ganz ehrlich. Viele Rituale, Abläufe und Gesetze stammen aus einer Zeit, in der Menschen kaum Mitspracherecht hatten. Tod war Verwaltung, nicht Beziehung. Wir bei Lichtblick drehen das um. Der Mensch kommt zuerst – immer. Und ja, das reibt sich mit alten Systemen. Aber Reibung erzeugt Wärme. Und manchmal auch Licht.
Lichtblick sagt von sich: „Wir glauben nicht an den Tod.“ Wie ist das gemeint?
Biologisch stirbt ein Körper, klar. Aber das, was einen Menschen ausmacht – seine Geschichten, seine Liebe, seine Wirkung, seine Seele – verschwindet nicht. Wer je jemanden wirklich geliebt hat, weiß das. Unsere Arbeit beginnt genau dort: beim Weitertragen dessen, was bleibt.
Viele verbinden Bestattungen mit starren Regeln. Sie sprechen von maximaler Freiheit. Wie weit geht die wirklich?
Sehr weit. Abschiede können im Wohnzimmer stattfinden, im Wald, am Wasser, in einer Werkstatt, im Lieblingslokal oder auf einem Schiff. Die Beisetzung folgt dann später, gesetzeskonform. Das ist wichtig: Wir brechen keine Gesetze – wir nutzen den Spielraum, den sie bieten. Und der ist größer, als viele glauben. Ein „Nein“ gibt es bei uns fast nie. Es gibt nur die Frage: Wie machen wir es möglich?
Sie verwenden bewusst den Begriff „Lebensfeier“. Warum?
Weil wir nicht nur das Ende betrauern sollten, sondern das gelebte Leben würdigen. Eine Lebensfeier darf lachen, weinen, erinnern, laut oder still sein. Sie ist ehrlich. Und sie passt sich dem Menschen an – nicht umgekehrt. Die Menschen feiern so wie sie waren.
Sie engagieren sich auch stark in der Sterbebegleitung. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Weil der Abschied nicht erst nach dem Tod beginnt. Viele Menschen haben Angst vor dem Sterben – vor Schmerzen, vor Einsamkeit, vor dem Unbekannten. Zeit, Zuhören, echte Gespräche können diese Angst lindern. Das kostet nichts außer Menschlichkeit. Deshalb ist unsere Begleitung ehrenamtlich. Punkt.
Sie kritisieren regelmäßig Behörden und starre Systeme. Ist das nicht anstrengend?
Doch. Sehr. Aber Schweigen wäre schlimmer. Wenn Empathie in Formularen verloren geht, muss jemand laut werden. Sterbefälle betreffen uns alle. Als Angehörige. Und als zukünftige Sterbende. Wer das vergisst, verwaltet Leben – aber begleitet keine Menschen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Bestattungskultur in Österreich?
Mehr Vertrauen in die Menschen. Mehr Mut zur Individualität. Und weniger Angst vor Veränderung. Der Tod ist kein Fehler im System – er ist Teil des Lebens. Wenn wir das begreifen, wird auch der Abschied menschlicher.
Zum Schluss: Was ist Lichtblick in einem Satz?
Ein Ort, an dem Abschied wieder Beziehung sein darf. Ehrlich, frei und voller Respekt.
Dieses Interview darf gerne gekürzt, zitiert oder weiterverwendet werden.
Lichtblick Bestattung – wir feiern das Leben. Auch am Ende.





